Das EHI-Handelsdaten-Dossier „Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland und Europa in Krisenzeiten“ bündelt monatliche Preisbewegungen auf Basis des Verbraucherpreisindex (VPI) des Statistischen Bundesamts, stellt eine langfristige Jahresperspektive ab 2015 bereit und ordnet die deutsche Preisentwicklung in den europäischen Kontext ein. Laut Statistischem Bundesamt kletterte die Teuerungsrate gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI) von 1,9 Prozent im Februar auf 2,7 Prozent im März. Dies stellt den höchsten Stand seit Januar 2024 dar. Hauptursache sind die Preissteigerungen bei Energieprodukten infolge der Blockade der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent der weltweiten Rohölproduktion transportiert werden.
Erschütterung der Energiemärkte

Verbraucherpreisindex Diesel
Foto: EHI
Nachdem die Energiepreise seit Dezember 2023 rückläufig waren, stiegen sie im März gegenüber dem Vorjahr sprunghaft um 7,2 Prozent an. Die Folgen der zeitweisen Blockade spiegelten sich in den Preisen wider: Kraftstoffe verteuerten sich im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 20,0 Prozent, leichtes Heizöl um 44,4 Prozent. Gegenüber dem Vormonat Februar legten die Energiepreise um 7,7 Prozent zu, die Preise für Diesel um 22,6 Prozent und für leichtes Heizöl um 43,2 Prozent.
Haushaltsenergie preisdämpfend
Trotz des massiven Anstiegs der Preise für Kraftstoffe und Heizöl blieb Haushaltsenergie insgesamt im März noch 1,2 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Strom (-4,5 Prozent), Erdgas (-2,9 Prozent) und Fernwärme (-1,2 Prozent) wirkten preisdämpfend. Begünstigt wird diese Entwicklung durch Maßnahmen der Bundesregierung, die zu Jahresbeginn in Kraft traten: die Reduzierung der Übertragungsnetzentgelte sowie die Abschaffung der Gasspeicherumlage.
Heterogene Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln
Die Nahrungsmittelpreise stiegen im März 2026 mit 0,9 Prozent zum Vorjahr unterdurchschnittlich, nach 1,1 Prozent im Februar. Das Bild ist jedoch heterogen. Eier verteuerten sich um 14,8 Prozent zum Vorjahr. Dies ist maßgeblich auf die wiederkehrenden Ausbrüche der Vogelgrippe in Europa zurückzuführen, die die Geflügel- und Eierproduktion erheblich eingeschränkt haben, bei gleichzeitig gestiegener Nachfrage.
Schokolade verteuerte sich in Deutschland um 9,6 Prozent. Ursache hierfür ist die anhaltende Kakaokrise: Klimawandelbedingte Extremwetterereignisse, insbesondere in den Hauptanbauregionen Westafrikas, haben die Erntemengen in den vergangenen Jahren stark reduziert und die Rohstoffpreise auf Rekordhochs getrieben. Die Lage hat sich inzwischen deutlich entspannt, bleibt aber fragil.

Verbraucherpreisindex Lebensmittel
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Kaffee und Kaffeemittel verteuerten sich im März 2026 um 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Teuerung wurde seit 2024 vor allem durch wetterbedingte Ernteausfälle, krankheitsanfällige Plantagen, steigende Vorleistungs- und Transportkosten sowie ein angespanntes Angebot an den Rohstoffmärkten getrieben. Entlastend wirkten hingegen deutliche Preisrückgänge bei Speisefetten und -ölen (-17,6 Prozent): Butter verbilligte sich um 29,1 Prozent, Olivenöl um 11,8 Prozent.
Die Preise für Molkereiprodukte lagen 5,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im Sechsjahresvergleich seit Januar 2020 liegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland um 38,2 Prozent höher, was die Kaufkraft einkommensschwacher Haushalte überproportional belastet.
Deutschland im Mittelfeld
Im EU-weiten Vergleich (Harmonisierter Verbraucherpreisindex, HVPI) liegt Deutschland mit einer Inflationsrate von +2,8 Prozent genau im EU-Durchschnitt (+2,8 Prozent). Das östliche Europa verzeichnet die höchsten Teuerungsraten: Rumänien führt mit +9,0 Prozent deutlich, gefolgt von Kroatien (+4,6 Prozent) und Litauen (+4,4 Prozent).
Frankreich hingegen bleibt mit +2,0 Prozent deutlich unterhalb des EU-Schnitts, Italien mit +1,6 Prozent noch moderater, Tschechien mit +1,5 Prozent und Dänemark mit lediglich +1,0 Prozent noch darunter. Die Energiepreiserhöhung aus dem Golfkonflikt ist europaweit spürbar: Diesel verteuerte sich im März im EU-Schnitt um 19,8 Prozent, Benzin um 9,4 Prozent. Bei Nahrungsmitteln waren die Preisentwicklungen europaweit ähnlich heterogen wie in Deutschland: Preise für Eier und Kakao-/Kaffeeprodukte stiegen, während sich Butter- und Fettpreise im EU-Schnitt spürbar entspannten.
Ausblick
Für den deutschen Einzelhandel verschärft die aktuelle Lage den Kostendruck, da steigende Transport- und Logistikkosten auf eine preissensible Nachfrage treffen. Zwar hat die Anfang April vereinbarte Waffenruhe im Golfkonflikt zu einer ersten Entspannung in Bezug auf die Rohölpreise geführt, doch bleiben strukturelle Risiken bestehen. So könnten sogenannte Zweitrundeneffekte eintreten: Da Energie ein elementarer Bestandteil fast aller Produktions- und Lieferketten ist, könnten die höheren Kosten zeitverzögert durch die gesamte Wirtschaft wandern, von gestiegenen Düngerpreisen in der Landwirtschaft bis hin zu steigenden Kosten für Transport, Kühlung, Verpackung und Lagerung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Während eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus die direkten Energiekosten normalisieren könnte, dürften indirekte Effekte sowie strukturelle Treiber das Preisniveau in vielen Kategorien länger hochhalten. Dazu zählen neben anhaltenden Lieferkettenstörungen auch klimawandelbedingte Produktionsrisiken wie etwa wetterbedingte Ernteausfälle bei Agrarrohstoffen wie Kakao oder Kaffee, die bereits in einzelnen Warengruppen preistreibend wirken.
Handelsdaten-Dossier
Das Dossier „Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland und Europa in Krisenzeiten“ kann bis 29. April 2026 kostenfrei hier heruntergeladen werden, danach zu verschiedenen Preismodellen.

