Logistik und ihr Potenzial für Shopping-Center | stores+shops

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Pakadoo arbeitet mit öffentlichen Paketschränken.
Foto: Pakadoo

Logistik und ihr Potenzial für Shopping-Center

E-Commerce und stationärer Handel sind längst keine Gegensätze mehr. Gerade die Logistik macht deutlich, dass auch Handelsimmobilien vom Boom des Online-Shoppings profitieren können. Paketshops, Abholstationen oder Logistik-Mikro-Hubs bringen Frequenz und steigern die Zufriedenheit der Kunden.

Verstopfte Straßen, Lieferwagen, die in der zweiten Reihe parken, genervte Paketzusteller und frustrierte Kunden – auch wenn der Online-Handel der Logistikbranche ein rasantes Wachstum beschert hat, stößt gerade die City-Logistik immer mehr an ihre Grenzen. Gerade Betreiber von Handelsimmobilien sehen den aktuellen Logistik-Boom immer mehr als Chance.

„In Zukunft werden wir vermehrt eine Mischnutzung von Handels- und Logistikimmobilien wahrnehmen“, sagt Christine Hager, Vorstandvorsitzende des German Council of Shopping Centers (GCSC). Diese Entwicklung werde enorm getrieben durch den E-Commerce, um eine enge Verknüpfung von stationärem Geschäft und Online-Handel zu schaffen. Ebenso erwartet Christine Hager vielfältige und weitreichende Kooperationen zwischen reinen Logistikern und Einzelhändlern.

Auch Iris Schöberl, Ausschussvorsitzende Handel beim Zentralen Immobilienausschuss (ZIA), geht davon aus, dass Logistik und Handelsimmobilien zukünftig stärker zusammenwachsen. „Es ist im Interesse des Einzelhandels und der Logistik, sich zu überlegen, wie man beide Bereiche miteinander vernetzt“, so Schöberl.

Beim Bundesverband Paket und Express Logistik (BIEK) bläst Carsten Hansen, Leiter Innenstadtlogistik, in das gleiche Horn wie die Interessenvertreter der Immobilienbranche. „Logistik ist das Scharnier, mit dem der Online- Handel und der stationäre Handel verbunden werden“, postuliert er. Aus seiner Sicht profitieren beide Branchen gleichermaßen. Die Betreiber von Handelsimmobilien können ihren Besuchern neue Services anbieten, die zu mehr Frequenz führen. Für die Logistik liegt laut BIEK der Vorteil darin, dass sie zentrale, gut gelegene Flächen nutzen kann, um den Druck von der Straße zu nehmen. So müssen von einem Logistik-Hub in einem Shopping-Center nicht unbedingt Lieferwagen ausrücken, auch Fahrräder sind zum Beispiel für angrenzende Wohnsiedlungen denkbar.

Es ist im Interesse des Einzelhandels und der Logistik, beide Bereiche miteinander zu vernetzen.

Iris Schöberl

Ausschussvorsitzende Handel , Zentraler Immobilienausschuss (ZIA)

Erster Multi-Label-Paketshop

In der Praxis gibt es zurzeit noch nicht viele, aber doch einige Beispiele, die zeigen, wohin sich Logistik in Handelsimmobilien entwickeln kann. Eines davon findet sich im City-Center-Bergedorf, das im gleichnamigen Hamburger Stadtbezirk liegt. Der sogenannte „Ein-Treff-Punkt“, wo GLS, DPD, Hermes und UPS Dienstleistungen rund um die Paketannahme und -abgabe anbieten, war der bundesweit erste Multi-Label-Paketshop und startete im Oktober 2017 mit einer Pilotphase. Entsprechend groß fiel einige Monate später das mediale Echo aus. Nicht nur die Fachpresse berichtete, beinahe jede größere Redaktion griff das Thema auf.

Dass die Meldung 2018 so weite Kreise zog zeigt, wie wichtig das Thema auch für die Öffentlichkeit ist. Gestartet ist das Projekt mit einer Fläche auf der Ladenstraße des Einkaufszentrums. „Wir haben aber so schnell so große Volumina erreicht, dass wir ein Ladenlokal zur Verfügung stellen mussten“, berichtet Lutz Müller, Centermanager von der Deutsche Immobilien Gruppe (DI-Gruppe).

Im „Ein-Treff-Punkt“ arbeitet das Center mit einem eigenen Abrechnungssystem, um den verschiedenen Logistikunternehmen eine Plattform zu bieten, die sie alle miteinander nutzen können. Die 433 Regalplätze managt das Personal mithilfe einer „chaotischen Warenwirtschaft“. Das heißt: Jedes Paket hat eine Standortnummer und wird in einen beliebigen Regalplätze einsortiert. „So ist ein hoher Umschlag möglich“, sagt Lutz Müller. Insgesamt 3.000 Pakete pro Monat durchlaufen den Multi-Label-Paketshop. Neben dem Logistikgeschäft dient das Ladenlokal zudem noch als Kundeninformation. Die Personalkosten und die Miete für die Fläche trägt das Center selbst. Um den Paketshop einzurichten, musste ein Nagelstudio innerhalb des Objekts umziehen.

Auf die Frage, ob sich der Aufwand bislang gelohnt hat, verweist Centermanager Müller auf eine Kundenbefragung, die dieses Jahr zwischen März und April durchgeführt wurde. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Insgesamt wurden 915 Kunden befragt. 86 Prozent gaben an, dass sie an dem Tag, als sie befragt wurden, wegen des Paketservices ins Center gekommen seien. Regelmäßig nutzen 61 Prozent den Service, 38 Prozent sind Neukunden für die Mall. Dabei kauft mehr als die Hälfte der Kunden etwas bei ihrem Besuch oder besucht zumindest einen Shop. 80 Prozent der befragten Kunden sind mit dem Service entweder sehr zufrieden oder sogar davon begeistert.

Angesichts der positiven Resonanz hat Lutz Müller noch weitere Pläne. So kann er sich vorstellen, dass der Shop zu einem „Mikro-Depot“ ausgebaut wird, das nicht nur Pakete von Kunden annimmt und ausgibt, sondern auch Inhouse-Zustellungen übernimmt, womit diese zentralisiert und effizienter werden könnten. Auch das Stadtquartier „Das Gerber“ in Stuttgart ist ein weiteres Center in Deutschland, das eine Abholstation anbietet.

Konzepte in ganz Deutschland

Während im City-Center-Bergedorf die Betreiber selbst den Service übernommen haben, gibt es auf dem deutschen Markt auch externe Anbieter, die solche Logistikdienstleistungen anbieten. Einer ist das Start-up „Pakadoo work-life-logistics“, das mit öffentlichen Paketschränken arbeitet. Das Shopping-Center Lago in Konstanz war der erste Ort, an dem ein solcher Schrank aufgestellt wurde. Laut Pakadoo und dem Centermanagement funktioniert das Angebot mittlerweile so gut, dass bereits eine alternative Ausgabestelle eingerichtet wurde, um die Menge an Paketen zu schultern.

Dass solche Beispiele bald schon in der Fläche Schule machen werden, davon ist die GCSC-Vorsitzende Christine Hager überzeugt. „Fakt ist, dass die Handelsimmobilienbranche sich mitten in einer Lern- und Orientierungsphase befindet,um Potenziale und Chancen im Praxistest zu beweisen. In zwei, drei Jahren werden wir hier mehr sehen.“ Von einer „Findungsphase“ spricht Iris Schöberl vom ZIA und glaubt ebenfalls daran, dass sich Logistik und stationärer Einzelhandel weiter vernetzen werden. Aber Schöberl mahnt auch an, dass die Probleme der City-Logistik so gelöst werden müssen, dass der Wettbewerb zwischen E-Commerce und stationärem Handel nicht verzerrt wird. „Was ich nicht richtig finden würde, wenn für Mikro-Hubs oder Ähnliches öffentlicher Raum zur Verfügung gestellt würde“, so Schöberl.

Christine Hager betont darüber hinaus, dass all diese Neuerungen und Konzepte nicht umsetzbar seien, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nicht gleichzeitig ändern: „Vor allem in Bezug auf Öffnungszeiten, Sortiments- und Nutzungsbeschränkungen sowie das Baurecht muss eine Anpassung und Vereinfachung her“, sagt sie. Nur so sei die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebsformen vor dem Hintergrund veränderten Kundenverhaltens und veränderter Kundenansprüche zu gewährleisten. Erst wenn dies geschafft sei, bestünden beste Voraussetzungen und Möglichkeiten für Shopping-Center, sich zu einer sowohl analogen als auch digitalen Plattform für Kunden und Händler zu entwickeln, um auch in Zukunft ein „lebendiger, sozial interaktiver Marktplatz der Städte“ zu sein.

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