LEH-Kleinflächenkonzepte: Da sein, wo das Leben ist | stores+shops

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In der Münchener Edeka Xpress-Filiale in der Karlstraße können die Kunden ihre Snacks an einer separaten Kasse bezahlen.
Foto: Edeka Südbayern

LEH-Kleinflächenkonzepte: Da sein, wo das Leben ist

Städtische Kleinflächenkonzepte spielen aufgrund ihrer hohen Flächenproduktivität in der Expansionsstrategie vieler Lebensmittel-Filialisten zunehmend eine strategische Rolle. Sie zahlen ein auf ein verändertes Verbraucherverhalten und die anhaltende Urbanisierung.

Für Thomas Gutberlet, Geschäftsführer bei Tegut, steht fest: „Wir sehen vor allem in Ballungszentren Wachstumspotenzial und wollen dort die Eröffnung von Nahversorgungskonzepten forcieren.“ Die jüngste Tegut-Filiale, die diesem Format entspricht, wurde im Februar dieses Jahres in der Kaiserpassage mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel eröffnet – einem Standort, der ideal den Anforderungen an kleinflächige Nahversorgerkonzepte entspricht: hohe Frequenz, beste Anbindung an den ÖPNV, breite Zielgruppe und ein großer Bedarf an Convenience-Produkten aufgrund vieler berufstätiger Kunden. Auf 1.200 qm wird den Kunden dort ein Sortiment angeboten, das ihren Bedürfnissen entspricht. „Wir analysieren vor jeder Neueröffnung genauestens die Bedingungen vor Ort und stellen das Sortiment dann jeweils passgenau zusammen“, sagt Thomas Gutberlet. „An diesen Standorten und bei den begrenzten Flächen ist es wichtig, nicht von Allem Etwas reinzupacken, sondern das Richtige“, so der 49-Jährige. Das jährliche Umsatzziel für die Nahversorgermärkte beziffert Gutberlet auf „mindestens 6.000 Euro pro Quadratmeter.“

Zu konkreten Umsatzzielen des „Express“-Formats der Genossenschaft Konsum Dresden will Geschäftsführer Roger Ulke sich nicht äußern. Ulke: „Man glaubt aber nicht, was da möglich ist.“ Seit drei Jahren ist das Unternehmen mit einer 144 qm großen Express-Filiale auf dem Dresdner Neumarkt präsent und zielt dort mit dem Angebot auf Touristen, Anwohner, Laufkundschaft und Berufstätige. „Für uns ist die Filiale ein Pilotprojekt und wir arbeiten sehr intensiv an der Multiplizierbarkeit. Wir feilen im Detail viel am Sortiment und an der Präsentation“, berichtet Roger Ulke. „Den größten Umsatz machen wir mit Getränken, Snacks und dem To-go-Sortiment. Allerdings haben sich inzwischen auch Nachbarschaftsprodukte wie Kartoffeln und Eier eingeschlichen. Selbst bei hohen Mieten sind Märkte mit 200 bis 400 qm in Innenstadtlagen durchaus profitabel zu betreiben. Die Obergrenze für das Expressformat liegt bei uns bei 800 qm.“

Für hochverdichtete Lagen

Klein und kompakt: Der Checkout-Bereich mit integrierter Snacktheke im 144 qm großen Konsum am Dresdner Neumarkt.

Klein und kompakt: Der Checkout-Bereich mit integrierter Snacktheke im 144 qm großen Konsum am Dresdner Neumarkt.
Foto: Konsum Dresden

Mitbewerber wie Edeka und Rewe sowie auch die Discounter Aldi, Lidl und Penny sind ebenfalls dabei, neue Formate für urbane Kunden in hochverdichteten Lagen zu lancieren bzw. die Expansion bereits vorhandener Konzepte zu forcieren. „Kleine Nahversorgermärkte sind für uns ein wichtiger Bestandteil unseres Format-Portfolios mit zunehmend größerer Bedeutung“, sagt zum Beispiel Christian Schneider, Leiter Standortentwicklung bei Rewe National. „Wir möchten mit unseren Märkten da sein, wo das Leben ist und wo die Menschen für Zuhause, für die Mittagspause oder während einer Reise einkaufen.“ Rewe expandiert seit gut 10 Jahren mit den Rewe City-Märkten, die als wohnortnahe Vollversorger für die Großstadt konzipiert sind. Mit standortspezifischen Sortimenten erfüllen sie die individuellen Bedürfnisse der Menschen in den jeweiligen Quartieren.

Die Treiber dieser Entwicklung, da ist sich Schneider mit seinen Kollegen einig, sind vielfältig: die zunehmende Urbanisierung, die demographische Entwicklung, kleinere Haushalte, verändertes Verbraucherverhalten weg vom Vorratseinkauf und hin zum täglichen Einkauf, Bedeutungsverlust des Autos, höhere Ansprüche der Kunden bezüglich Frische sowie ein größerer Bedarf an verzehrfertigen oder schnell zubereiteten Mahlzeiten. Die Menschen wollen sich auf unkomplizierte Weise in ihrer Nähe mit den Artikeln des täglichen Bedarfs versorgen können, ohne dafür das Auto nutzen zu müssen – und ohne dabei ihre Ansprüche hinsichtlich Qualität, Frische, Regionalität und Bio herunterschrauben zu müssen. Im Gegenteil, wie Schneider betont: „Die Profilierung und Differenzierung kann nur über attraktive Sortimente mit überdurchschnittlich viel Bio- und regionalen Produkten sowie einem hohen Frischegrad gelingen.“

Regional und biologisch

Ähnlich sieht man es auch bei Edeka Südbayern. „Wie auch in unseren konventionellen Formaten bieten wir in den ‚EdekaXpress‘-Filialen eine große Auswahl an regionalen und biologisch erzeugten Lebensmitteln, Obst und Gemüse sowie – je nach Standort – Fleisch, Wurst und Käse in Bedienung an. Die besonderen Stärken unserer Kleinflächen-Märkte liegen insbesondere im Frischebereich“, betont Pressesprecher Christian Strauss. Bei Edeka Südbayern wurden im Rahmen der Integration von Tengelmann seit 2017 47 ehemalige Tengelmann- Märkte zu Xpress-Geschäften umgebaut. Insgesamt gibt es inzwischen gut 50 Xpress-Standorte, für 2019 sind alleine auf dem Münchner Stadtgebiet 4 weitere Neueröffnungen geplant. In hochfrequenten Lagen liegt ein weiterer wichtiger Schwerpunkt auf Convenience-Produkten und Unterwegs-Verzehr. In der Xpress-Filiale in der Münchner Karlstraße machen die Edekaner sehr gute Erfahrungen mit einem eigenständigen Convenience- Kundenlauf, sodass die Kunden ihre Snacks an einer separaten Kasse bezahlen können. Hier werden täglich bis zu 500 Speisen boniert.

Die Kernkompetenz Frische wird von Tegut auch in den neu eröffneten Nahversorgermärkten in urbanen Ballungszentren ausgespielt. Hier die neue Frankfurter Filiale in der Kaiserpassage.

Die Kernkompetenz Frische wird von Tegut auch in den neu eröffneten Nahversorgermärkten in urbanen Ballungszentren ausgespielt. Hier die neue Frankfurter Filiale in der Kaiserpassage.
Foto: Tegut

Während die großen, bundesweit agierenden Player wie Edeka und Rewe ihren Kleinflächenformaten eigenständige Namen gegeben haben (Edeka Xpress, Rewe City, Rewe to go), gibt es bei den Discountern wie Aldi und Lidl keine namentliche Differenzierung der kleineren urbanen Filialen, die vorzugsweise in Innenstädten oder städtischen Quartieren eröffnet werden. Insbesondere Lidl legt Wert darauf, dass die Kunden auch auf kleinerer Fläche die gewohnte Auswahl bis hin zu den Aktionssortimenten finden. Wie dies funktionieren kann, ist seit März 2019 in der Münchner Innenstadt zu besichtigen. In der Zweibrückenstraße unweit des Isartors wurde in einem denkmalgeschützten Gebäude eine 500 qm große Filiale eröffnet. Um den Kunden auch auf kleiner Fläche und bei ungewöhnlichen Grundrissen den gewohnten Look & Feel bieten zu können, wurde bei Lidl ein flexibles Filialkonzept entwickelt, das u.a. in München getestet wird. Wichtige Elemente dieses Konzepts sind eine spezielle, platzsparend konstruierte Ladeneinrichtung, Kühlschränke statt Truhen, rollbare Einkaufskörbe statt Wagen, kürzere Kassenbänder sowie teilweise eine andere Anordnung der Warengruppen. Eine weitere Besonderheit der Filiale in München: Mangels eines anderen Zugangs wird die Ware durch den Eingang angeliefert.

Restriktionen

Aldi Süd kann auch klein: Die 523 qm große Filiale in Köln-Rodenkirchen wurde Ende 2018 eröffnet.

Aldi Süd kann auch klein: Die 523 qm große Filiale in Köln-Rodenkirchen wurde Ende 2018 eröffnet.
Foto: Aldi Süd

Dass mit der Eröffnung von neuen Filialen in dicht besiedelten Lagen Restriktionen verbunden sind, musste kürzlich auch die Rewe Group erfahren. Aufgrund der Klage einiger Anwohner gegen die Genehmigung der Warenanlieferung über eine Seitenstraße verzögert sich die Eröffnung einer neuen Filiale in Köln-Ehrenfeld. Aldi Süd beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit den operativen Einschränkungen, die mit dem Betreiben urbaner Standorte verbunden sein können und testet aktuell im Ruhrgebiet den ersten elektrisch betriebenen 40-Tonnen-Sattelzug mit Kälteaggregat. Ziel des Tests ist es herauszufinden, ob so auch in Wohngebieten eine Nachtanlieferung möglich ist.

Auch Aldi Süd sucht verstärkt die Nähe zu urbanen Kunden. „Die Flexibilisierung unseres Sortiments macht es mittlerweile möglich, den Umfang, die Auswahl und auch die Anordnung der Produkte den baulichen Rahmenbedingungen einer Filiale anzupassen. Parkplätze sind dabei nicht zwingend erforderlich“, so Pressesprecherin Anamaria Preuss. Die konzeptionellen Möglichkeiten des Discounters reichen inzwischen von XXL-Varianten mit 1.500 qm bis hin zu kleinsten Filialen mit 500 qm wie der im Dezember 2018 neu eröffnete Standort in Köln-Rodenkirchen mit 523 qm. Hier werden mit ca. 1.200 Artikeln etwa 80 Prozent des üblichen Sortiments angeboten. Um sich neue Standorte zu sichern, geht Aldi Süd auch ungewöhnliche Wege. In Tübingen wurde zum Beispiel das Projekt „TÜ 3“ realisiert. Bei diesem Neubauvorhaben wurden über der Filiale Wohnungen gebaut, die von Aldi vermietet werden.

Weitere Informationen: redaktion@ehi.org

Man muss sich die Zielgruppe genauestens anschauen

Thomas Gutberlet, Geschäftsführer von Tegut, zu den Besonderheiten und Chancen von LEH-Kleinflächenformaten.

Welche Rolle spielen kleinflächige Nahversorgerkonzepte in Ihrer Expansionsstrategie?

Sie spielen eine große Rolle, weil wir gerade in den Ballungsgebieten aufgrund der zunehmenden Urbanisierung viel Wachstumspotenzial sehen. Und an diesen Standorten eignet sich unser Nahversorgerkonzept mit einer Größe von 400 bis 1.000 qm am besten. Von den zehn Neueröffnungen, die wir für dieses Jahr planen, wird etwa die Hälfte diesem Format entsprechen, so zum Beispiel ein neuer Nahversorgermarkt in Stuttgart-Pragsattel, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Stuttgarter Norden.

Welches sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren von Kleinflächenformaten?

Ein Nahversorgerkonzept schafft sich keine eigene Frequenz, sondern lebt von der natürlichen Frequenz am Standort. Deshalb ist es wichtig, dass man sich die Zielgruppe genauestens anschaut und das Sortiment deren Bedürfnissen entsprechend gestaltet. Das versuchen wir an jedem Standort – ohne unsere selbst formulierten Ansprüche bezüglich Frische, Regionalität und Bio zu vernachlässigen. Das würde auch gar nicht funktionieren, da die urbanen Kunden sehr anspruchsvoll sind und sich lieber täglich mit frischen Produkten versorgen, als große Vorräte einzukaufen.

Wie lassen sich auf den kleineren Flächen mit hohem Convenience- Anteil Ihre Ansprüche bezüglich Energieeffizienz und Nachhaltigkeit umsetzen?

Wir gehören unter den deutschen Supermarktbetreibern zu den Spitzenreitern in Sachen Energieeffizienz, und dies ist uns auch bei kleineren Formaten wichtig. Der Stromverbrauch ist hier aufgrund der nicht vorhandenen Bedientheken sowieso geringer als bei den größeren Flächen. Etwas kritischer ist natürlich das Thema Verpackungsmüll, wenn viele To-go-Snacks und Convenience- Produkte angeboten werden. Da müssen wir manchmal Kompromisse eingehen.