Digitalisierung, fragile Lieferketten, Umsatzschwund und ein spürbarer Branchenumbruch – der Einzelhandel steht vor verschiedenen Hürden. Daneben ändern sich Kundenerwartungen beinahe in Sekundenschnelle. Produktvielfalt, kostenorientiertes Einkaufen und das Angebot verschiedenster Zahlungsarten rund um Bargeld, Kartenzahlung oder Mobile Payment sind Wünsche, die es zu erfüllen gilt. Um als Einzelhändler Schritt zu halten, braucht es vor allem eines: begründete Entscheidungen. Auf das bekannte Bauchgefühl allein sollten sich gerade auch kleinere Retailer nicht verlassen. Mehr Sicherheit und den wesentlichen Wettbewerbsvorteil schafft eine aussagekräftige Datengrundlage.
Potenziale ausschöpfen
Angesichts seiner täglichen Rolle bei Verkäufen verwundert es kaum, dass der POS hierfür in den Fokus rückt. Zahlreiche Daten lassen sich über die Kasse sammeln. Oftmals bestimmen jedoch manuelle, zeitaufwendige Abläufe und eine mühsame Bearbeitung in Excel-Tabellen den Alltag. Zudem liegt der Fokus vermehrt auf quantitativen Angaben. Handlungsempfehlen finden sich seltener, so die Ergebnisse einer Studie zum Reporting 4.0. Der entscheidende Schritt – die Datenauswertung – kommt somit zu kurz. Doch der Weg dorthin gestaltet sich weder steinig noch mühsam.
Hersteller von Kassensoftware und ERP-Systemen bieten bereits umfassende Möglichkeiten an. Im Kern verbinden sie Transaktions- und Inventardaten, Zahlungs- und Rabattinformationen, um wiederum Verkaufstrends und Analysen aufzudecken. Barcodes beispielsweise sind ein seit Jahren bewährtes Mittel für eine schnelle und korrekte Erfassung in der Kassensoftware. Die Nutzung von Application Programming Interfaces (API) über das Internet stellt einen Zugewinn dar, Daten automatisiert und zeitnah zu übermitteln.
Die technischen Anforderungen an den POS steigen nur in geringem Maße. So lässt sich vorhandene Hardware meist weiterverwenden und ein Produkt-Update genügt, um die Türen für das modernere Reporting zu öffnen. Um mehr über die Kundschaft selbst zu erfahren, sind Kundenbindungsprogramme eine On-top-Lösung. Informationen lassen sich in der Regel durch App-Nutzungen oder Kundenkarten direkt an der Kasse generieren und ermöglichen detailliertere Informationen über Kundengruppen und deren Kaufverhalten.
Ganzheitlicher Überblick
Vorteil des datenbasierten Reportings: Die Vielzahl an erfassten und analysierten Daten und die daraus generierten Statistiken sowie Zeitreihen, die über wenige Klicks zugänglich sind, ermöglichen Einzelhändlern zuverlässigere Entscheidungen. Gerade die übergreifende vereinheitliche Auswertung verschiedener Datenquellen mittels geeigneter Software lassen tiefer gehende Aussagen zu. Zeigen sich Veränderungen, können Einzelhändler, Mitarbeitende im Einkauf oder der Produktionsleitung schneller reagieren. Das Sortiment lässt sich durch den Blick auf die Datengrundlage besser an die Kundenbedürfnisse anpassen.
Umsatzsteigerungen sind auf unterschiedlichen Ebenen möglich. Entsprechend der Nachfrage sind Preissteigerungen denkbar. Setzen Retailer auf ein Reporting am POS, optimieren sie die Verfügbarkeit von Artikeln je nach tatsächlicher Nachfrage, was wiederum die Kundenbindung stären kann. Gleichzeitig reduzieren sie durch eine an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasste Bestellmenge bei Lieferanten oder Eigenproduktion beispielsweise im Lebensmittelhandel Food Waste. Dieser Effekt erfolgt über einen Blick in die Softwareauswertungen.
Von Daten profitieren
Verkaufsdaten, Lagerbestände, Zahlungsverhalten und Co. – mit einem datenbasierten Reporting am POS können Retailer Schätzungen, Unsicherheiten oder begrenzte Skalierbarkeit vermeiden . Denn die Informationen, die täglich über die Ladenkasse gehen, lassen sich sammeln und auswerten. Die gewonnenen Einblicke können helfen, die Kundenerfahrungen zu verbessern, die Kundschaft an das eigene Geschäft zu binden und sich auf diese Weise gegenüber den Wettbewerbern zu behaupten. Ein Bereich, der mit Blick auf Künstliche Intelligenz, die effektiver und schneller als beim klassischen Reporting große Datenmengen auswertet, in Zukunft an Relevanz gewinnen wird.
Gastautor Steven Schwarznau ist Geschäftsführer von Alvara Digital Solutions.
Beispiel Backtheke
Mit dem Reporting am POS erhalten Händler konkrete Handlungsempfehlungen. Nimmt man das Bäckereiumfeld als Beispiel, zeigt sich, wie die Datengrundlage die bislang zeitkritische Beschaffung von Rohstoffen und die oft vage Produktionsplanung entlasten kann. Daten aus den Kassen liefern Informationen, an welchen Tagen, teils auch zu welchen Zeiten Produkte gefragt sind. Daraus ergibt sich die Chance, Produktionsmengen präzise zu steuern. Die zentralen Daten-Pools ermöglichen die Integration technischer Steuerungseinheiten über Schnittstellen. So lassen sich die Daten automatisiert austauschen und verwerten.