Mit RFID zur Kasse | stores+shops

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Mit seinem RFID-Einsatz am Checkout, zumal auch am SB-Checkout, ist Decathlon anderen Händlern voraus
Foto: Decathlon

Mit RFID zur Kasse

Für Warenlogistik und Bestandsmanagement erweist sich RFID als fast unverzichtbar. Das gilt speziell in den Fashion-Branchen. An die Kassen, zum automatischen Erfassen der Ware, ist die Technologie bisher aber kaum vorgedrungen. Allerdings werden erste Tests gefahren – und das sogar im Lebensmittelhandel.

Für T-Shirt oder Container, als Kleber, Sticker oder Schlaufe, zur Verwendung auf Metall oder anderen Oberflächen, für hohe und niedrige Umgebungstemperaturen: RFID-Etiketten gibt es inzwischen in einer Vielzahl von Varianten. Skaleneffekte durch zunehmende Praxisdurchdringung lassen deren Preise stetig sinken. Die auf Standardprodukten, etwa im Fashion-Handel, eingesetzten Klebe- oder Schlaufenetiketten kosten heute zwischen zwei und fünf Cent pro Stück.

Automatische Warenerfassung

Das macht RFID-Anwendungen auch für Retailer immer rechenbarer. „Während die Technologie bei einer Vielzahl von Fashion-Unternehmen bereits eingesetzt wird, beginnen nun auch der LEH oder die Gastronomie, sich für RFID zu interessieren“, sagt Roberto Mauro, Commercial General Manager bei Avery Dennison Europe, neben Checkpoint Systems und Zebra Technologies einer der Komplett-Anbieter von RFID-Lösungen. Mit der Technik werden Schwund und Diebstahl reduziert, sie ist aber insbesondere der Schlüssel zur Bestandsgenauigkeit. „Die automatische und sekundenschnelle Erfassung von Warenflüssen mittels RFID hilft den Unternehmen gerade im Hinblick auf den personellen Engpass in vielen Branchen”, so Mauro.

Decathlon hat auch das Warensortiment zu 100 Prozent mit RFID-Labels versehen

Decathlon hat auch das Warensortiment zu 100 Prozent mit RFID-Labels versehen
Foto: Decathlon

Service optimieren

Darüber hinaus nutzen einige Händler ihre RFID-Daten zur Optimierung der Kundenservices – etwa zur schnelleren Auffindbarkeit von Produkten und für schnellere Ship-from-Store-Prozesse. „RFID liefert viel mehr Daten als ein Strichcode, da RFID einzelnen Produkten genau zugeordnet werden kann”, erklärt Mark Thomson, Director Retail bei Zebra Technologies. Zum Beispiel Informationen darüber, welche Artikel die Kund:innen kombinieren und gemeinsam aus dem Regal nehmen.

Perspektive

An die Kasse, zum automatischen Erfassen des gesamten Warenkorbs in Sekundenschnelle, ist die RFID-Technik bislang aber noch kaum durchgedrungen. Das zeigt unter anderem der Mitte 2021 erschienene, von der ECR Retail Loss Group verfasste und von Checkpoint Systems unterstützte Forschungsbericht „Utilising RFID in Retailing: Insights on Innovation”. Unter den dafür befragten RFID-Anwendern war lediglich ein Händler, der die Technologie schon in nennenswertem Umfang am Checkout einsetzt. „Noch ist die Zeit dafür wohl nicht reif, speziell im deutschen Einzelhandel – perspektivisch aber wird RFID auch an die Kasse kommen, ob als zentrale Lösung oder als Bestandteil verschiedener SB-Konzepte“, prognostiziert Miguel Garcia Manso, Business Unit Director Germany bei Checkpoint Systems.

Automatische Identifizierung

Beim französischen Sport-Händler Decathlon, einem der Pioniere der Technik, bestehen rund 80 Prozent des Sortiments aus Eigenmarken, die schon bei der Produktion mit den Funk-Etiketten versehen werden. Self-Checkout-Kassen hat Decathlon bereits vor sieben Jahren eingeführt – mittlerweile ist auch das Warensortiment zu 100 Prozent mit RFID-Labels versehen. Die Produkte im Einkaufskorb werden daher nicht mehr einzeln gescannt, sondern automatisch durch die RFID-Identifizierung gelesen. Mit seinem RFID-Einsatz am Checkout, zumal auch am SB-Checkout, ist Decathlon anderen Fashion-Händlern einige Schritte voraus.

Perspektivisch wird RFID auch an die Kasse kommen, ob als zentrale Lösung oder als Bestandteil verschiedener SB-Konzepte.

Miguel Garcia Manso

Business Unit Director Germany, Checkpoint Systems

Die perspektivische Option, durch RFID die Kassenprozesse deutlich vereinfachen und beschleunigen zu können, veranlasst aber auch andere Handelsunternehmen zu ersten Praxisübungen. Dabei geht es zunächst meist um den Effizienzgewinn an bedienten Kassen.

So hat zum Beispiel das polnische Einzelhandelsunternehmen LPP (Bekleidungsmarken Reserved, Cropp, House, Mohito, Sinsay) in diesem Jahr und in bislang rund 450 Läden die RFID-Technologie von Checkpoint Systems implementiert. An der Kasse werden die mit RFID-Tags ausgestatteten Sicherungsetiketten von den Mitarbeitenden entfernt, die Produktinfos und Preise werden dabei automatisch an das Kassenterminal übertragen. Somit entfällt das separate Einscannen der Barcodes. „Die Dauer des Kassiervorgangs konnte im Durchschnitt um 70 Prozent reduziert werden“, sagt Miguel Garcia Manso von Checkpoint Systems. Andere Mode-Händler, etwa C&A oder Zara, erproben die Technik in ähnlicher Weise.

Steigende Nachfrage

Aber auch Branchen wie der Lebensmittelhandel entwickeln Interesse am RFID-Checkout – mitveranlasst durch die RFID-basierten Cashless-Store-Konzepte von Amazon und anderen. „Wir registrieren inzwischen steigende Nachfrage aus Marktsegmenten mit traditionell niedrigen Margen, da die Kosten für RFID-Tags sinken“, bemerkt Roberto Mauro von Avery Dennison. Im Jahr 2020 hat sein Unternehmen in Kooperation mit Nordic ID einen Tankstellen-Store des finnischen Händlers Neste K-market mit RFID-basiertem Self-Checkout ausgestattet.

Hürden überwinden

In 2019 wurden, ebenfalls von Avery Dennison, einige Convenience-Shops eines italienischen Händlers mit der Technik bestückt. Wegen der Pandemie wurde der Test aber vorerst unterbrochen. Solche Stores, in hochfrequentierten Lagen und mit reduziertem Sortimentsumfang, eignen sich für erste Tests. Die Hürden allerdings sind noch hoch. Anwendungen haben nur Sinn, wenn jedes Einzelprodukt mit RFID-Tag bestückt ist – für Händler mit Niedrig-Margen trotz sinkender Tag-Preise immer noch eine Kostenfrage. Punkt zwei ist die Erfassungsgenauigkeit. Lesefehler, zum Beispiel aufgrund metallischer Abschirmung, führen auf direktem Weg zu Verlusten, die sich Händler mit Niedrig-Margen nicht leisten können.