EHI Payment Kongress 2026: Zwischen Wallet und Wero | stores+shops

Anzeige
{{{name}}}

Vorgeschlagene Beiträge

Anzeige

Mehr als 600 Teilnehmende aus Handel, Banken und Payment-Branche diskutierten beim EHI Payment Kongress 2026 in Bonn über aktuelle Entwicklungen
Foto: EHI/Wolterfoto

EHI Payment Kongress 2026: Zwischen Wallet und Wero

Mobile Payment, Cashless Stores, Händler-Apps und Cashback: Das sind nur wenige der zahlreichen Themen, die mehr als 600 Teilnehmende aus Handel, Banken und Payment-Branche beim EHI Payment Kongress 2026 im Plenarsaal des ehemaligen Deutschen Bundestags in Bonn diskutierten. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur aktuelle Marktzahlen, sondern auch konkrete Handelsanwendungen, neue Payment-Infrastrukturen und die Frage, wie Händler Payment-Prozesse resilienter und effizienter gestalten können.

Mit einem Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bezahlverhalten eröffnete EHI-Payment-Experte Horst Rüter den Kongress und stellte dabei die wichtigsten Ergebnisse der Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2026“ vor. Demnach setzt sich der Rückgang des Bargeldanteils weiter fort und liegt beim Umsatz erstmals unter einem Drittel. Die Girocard bleibt im stationären Handel zwar führend, verliert jedoch leicht an Anteilen, während Mobile Payment weiter wächst. Auffällig sei zudem die zunehmende Verlagerung von physischen Kundenkarten hin zu Händler-Apps.

Laura Treude (Douglas) mit Oliver Lücke (BP Europa SE) und Alexander Vaasen (Aldi Süd) bei der Diskussionsrunde um Händlerbedürfnisse im Payment an Tag 1 des Kongresses

Laura Treude (Douglas) mit Oliver Lücke (BP Europa SE) und Alexander Vaasen (Aldi Süd) bei der Diskussionsrunde um Händlerbedürfnisse im Payment an Tag 1 des Kongresses
Foto: EHI/Wolterfoto

Intensiv diskutiert wurde die Rolle des Handels bei Cashback-Angeboten: Der durchschnittliche Auszahlungsbetrag liegt inzwischen bei rd. 100 Euro und der Einzelhandel übernimmt zunehmend Aufgaben der Bargeldversorgung. Auch neue europäische Bezahlverfahren wie Wero wurden mehrfach als mögliche Alternative zu internationalen Payment-Anbietern eingeordnet.

Wero im Praxistest

Fabian Mansfeld (EPI) und Axel Müller von Decathlon stellten den Einsatz von Wero bei dem französischen Sportartikelhändler vor. Der Händler sieht in der europäischen Omnichannel-Lösung Potenzial für geringere Kosten, schnelleren Cashflow durch Echtzeitüberweisungen sowie bessere Conversion dank mobilem, reibungsarmem Checkout direkt über die Banking-App. Nach Business-Case-Bewertung versteht sich Decathlon als Early Adopter, um mögliche Markttrends nicht zu verpassen. Der Go-live im Online-Shop ist für diesen Sommer geplant, anschließend folgt die Integration am stationären POS im Sinne eines durchgängigen Omnichannel-Ansatzes.

Payment als Infrastruktur

Maximilian Fuchs Senior Manager, Payments Consultant, CMSPI, und Jens Rühter Leiter Cash Management/Rechnungswesen, Deichmann

Maximilian Fuchs Senior Manager, Payments Consultant, CMSPI, und Jens Rühter Leiter Cash Management/Rechnungswesen, Deichmann
Foto: EHI/Wolterfoto

Wie komplex Payment in international gewachsenen Handelsstrukturen werden kann, zeigte Deichmann gemeinsam mit CMSPI. Die Unternehmensgruppe mit mehr als 4.700 Stores in über 30 Ländern stand vor der Aufgabe, ihre In-Store-Payment-Landschaft skalierbarer, regulatorisch sicherer und resilienter aufzustellen. Im Fokus der Ausschreibung standen 23 Länder mit rund 4,6 Mrd. Euro Netto-Kartenumsatz, lokale Zahlarten wie Girocard oder Twint sowie ein einheitlicher Betrieb aus Essen heraus.

Entscheidend war laut Jens Rühter von Deichmann nicht allein der Preis, sondern eine Lösung, die Länderabdeckung, Terminal-Management, Reporting, Support und Zukunftsfähigkeit zusammenbringt. Ergebnis ist u. a. der Roll-out Android-basierter Terminals sowie einer mobilen Kassen-App mit zweitem Acquirer, um Ausfälle besser abzufedern und zugleich das Kundenerlebnis zu verbessern.

Stablecoins: Effizienzpotenziale statt Disruption

Christian Rau von Mastercard ordnete Stablecoins und Krypto als Ergänzung bestehender Zahlungsinfrastrukturen ein. Relevanz entsteht aus seiner Perspektive vor allem im globalen Kontext: Effizientere Cross-Border-Prozesse, schnellere Settlement-Zeiten und die Möglichkeit, Liquidität über Ländergrenzen hinweg gezielt zu bündeln, gelten als zentrale Hebel. Für Händler kann das perspektivisch auch mehr Flexibilität bei der Akzeptanz verschiedener digitaler Assets bedeuten, bei gleichzeitig vereinfachter Abwicklung im Hintergrund.

Kostenvorteile werden laut Rau zwar diskutiert, bis hin zu einer möglichen „Zero-Fee“-Vision, liegen aktuell jedoch noch auf dem Niveau klassischer Verfahren. Derzeit stehen vor allem Effizienzgewinne im Fokus. Mit Blick auf die wachsende Bedeutung digitaler Zahlungsmittel, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen, sieht sich Mastercard in der Rolle, klassische und neue Zahlungsrails zu verbinden, ohne dabei momentan eigene Kryptowährungen zu planen.

Agentic Commerce und Payment

Hella Fuhrmann, Country Manager D-A-CH bei Adyen, in der Breakout-Session zu Agentic Commerce

Hella Fuhrmann, Country Manager D-A-CH bei Adyen, in der Breakout-Session zu Agentic Commerce
Foto: EHI/Wolterfoto

Wie verändert sich der Handel, wenn KI-Agenten Kaufentscheidungen übernehmen? Stefan Hoelscher, Lead Expert Payments bei Otto Payments, skizzierte vier Entwicklungsstufen: vom KI-optimierten Webshop über einfache Shopping-Assistenten bis hin zu KI-Plattformen wie Gemini als vollständige Einkaufsumgebung, und schließlich dem „KI-Concierge“, der den gesamten Kaufprozess autonom übernimmt. Mit jeder Stufe verschiebt sich jedoch auch die Kontrolle. Hella Fuhrmann, Country Manager DACH bei Adyen, fasste zusammen: Wer Transaktionsregeln, Limits und Kaufnachweise festsetzt, besitzt die Kundenbeziehung, und nicht nur den Checkout.

Parallel dazu schwinden klassische Betrugspräventionssignale: Während im KI-optimierten Webshop noch Gerätedaten, Kund:innenprofile und Bestellhistorien für die Risikoprüfung zur Verfügung stehen, fallen viele dieser Signale im vollständig agentengesteuerten Szenario weg, wie Lars Schumann von Risk Ident anhand einer Datenmatrix zeigte. Einen Ausweg kann die Infrastruktur bieten: Zahlungsdaten bleiben konsistent, Tokenization soll die Wiedererkennung über Kanäle hinweg sicherstellen. Fuhrmann empfahl zudem, Produkt-Feeds auf KI-Discovery vorzubereiten und plattformspezifische Checkout-Logiken zu vermeiden, die die Interoperabilität zwischen KI-Plattformen einschränken.

Produkt-News