Der Zahlungsverkehr im Handel befindet sich in einer Phase grundlegender Veränderungen. Während digitale Zahlungen über viele Jahre hinweg vor allem von kartenbasierten Lösungen geprägt waren, schaffen Instant Payments und Open-Banking-Technologien erstmals die Voraussetzungen für skalierbare direkte Konto-zu-Konto-Zahlungen im Checkout. Unter dem Begriff „Pay by Bank“ etabliert sich derzeit eine neue Kategorie von Zahlverfahren mit zunehmender Bedeutung im europäischen Markt.
Impulse für diese Entwicklung kommen nicht nur aus der Finanzbranche, sondern auch aus dem Handel selbst. Mit der Pay-by-Bank-Initiative des HDE engagieren sich Handelsunternehmen und Branchenvertreter dafür, direkte Bankzahlungen als verständliche und praktikable Zahlungsoption im Checkout des Onlineshops zu etablieren. Ein zentrales Ziel der Initiative ist es, die historisch gewachsene Fragmentierung von Begriffen und Lösungen rund um Überweisungszahlungen aufzulösen und in eine konsistente, nutzerfreundliche Kategorie zu überführen.
Fragmentierung auflösen
Über viele Jahre hinweg haben sich im Markt unterschiedliche Bezeichnungen etabliert – darunter Sofortüberweisung, „SOFORT“, Paydirekt, Giropay, Online-Überweisung, Echtzeitüberweisung und Direktüberweisung. Für Konsument:innen war jedoch häufig nicht klar erkennbar, ob es sich um unterschiedliche Verfahren oder lediglich unterschiedliche Ausprägungen derselben Zahlungslogik handelt. Diese Fragmentierung hat nicht nur zu Verwirrung geführt, sondern auch die Akzeptanz und Skalierung entsprechender Lösungen im Checkout erschwert.
Genau hier setzt der Begriff „Pay by Bank“ an: als vereinheitlichende Kategorie, die unabhängig von konkreten Marken oder technischen Ausprägungen das zugrunde liegende Prinzip verständlich beschreibt – die direkte Zahlung vom Bankkonto. Durch diese klare und konsistente Kommunikation kann die Nutzerorientierung im Checkout deutlich verbessert werden. Für den Handel entsteht gleichzeitig die Möglichkeit, eine alternative Payment-Option klar zu positionieren und stärker in den Wettbewerb mit bestehenden Zahlverfahren zu bringen – ein Thema, das auch Ulrich Binnebößel vom HDE seit Jahren aus Handelsperspektive begleitet.
Kosteneffiziente Ergänzung
Aus Sicht vieler Händler ist das Interesse an Account-to-Account-Zahlungen nachvollziehbar. Direktzahlungen vom Bankkonto können eine kosteneffiziente Ergänzung zu bestehenden Zahlverfahren darstellen und bieten gleichzeitig eine hohe Zahlungssicherheit durch starke Kundenauthentifizierung. Hinzu kommt ein praktischer Vorteil im Alltag: Während Kreditkarten häufig über individuelle Limits verfügen, ermöglichen direkte Bankzahlungen auch höhere Transaktionsbeträge. Gerade bei größeren Warenkörben, etwa beim Kauf von hochwertigen Smartphones, Notebooks oder TV-Geräten oder bei der Buchung von Reisen, kann dies eine attraktive Alternative darstellen.
Direktzahlungen vom Bankkonto können eine kosteneffiziente Ergänzung zu bestehenden Zahlverfahren darstellen.
Ercan KilicDass Pay-by-Bank-Lösungen zunehmend im Markt ankommen, zeigt ein Blick auf konkrete Anwendungsfälle im E-Commerce. So bieten unter anderem Händler wie Mediamarkt entsprechende Zahlungsoptionen im Checkout an. Auch internationale Plattformen und Händler experimentieren mit Account-to-Account-Payments, etwa im Apple Onlinestore oder bei digitalen Ticketkäufen der Deutsche Bahn. Technologisch werden solche Lösungen häufig von Open-Banking-Anbietern wie Tink, Deutsche Bank oder True Layer unterstützt, die den Zugang zu Bankkonten und Zahlungsinitiierungen ermöglichen.
Wettbewerb stärken
Vor diesem Hintergrund sehen viele Marktteilnehmer ein interessantes „Window of Opportunity“. Instant Payments schaffen erstmals die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür, dass Händler eigene Zahlungsmodelle auf Basis von Account-to-Account-Payments entwickeln oder aktiv an deren Gestaltung mitwirken können. Damit könnte sich langfristig eine zusätzliche Payment-Rail etablieren, die bestehende Zahlverfahren nicht ersetzt, aber den Wettbewerb im Markt stärkt. Die Pay-by-Bank-Initiative des HDE könnte hierfür eine wichtige Grundlage schaffen, insbesondere durch die Etablierung eines einheitlichen Verständnisses und einer klaren Marktkommunikation.
Dass das Thema derzeit an Dynamik gewinnt, zeigte sich zuletzt auch beim Instant Payment Day, bei dem „Direktzahlungen vom Bankkonto können eine kosteneffiziente Ergänzung zu bestehenden Zahlverfahren darstellen.“ Ercan Kilic Vice President Global PMO & Payments, Rezolve Ai Wir machen den Weg frei Für das Bezahlen von morgen Als Payment-Spezialist der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken schaffen wir mit innovativen Paymentlösungen Chancen für neue Geschäftsmodelle und geben der Digitalisierung Auftrieb. vr-payment.de Vertreter aus Handel, Banken und Payment-Industrie über die Zukunft von Echtzeitzahlungen diskutierten. Auch auf dem EHI Payment Kongress am 05. und 06. Mai in Bonn wird Instant Payments eine zentrale Rolle spielen: In einer eigenen Session diskutieren Branchenvertreter – unter anderem von Mediamarkt, Deutsche Bank, Zalando, Tink sowie dem HDE (Ulrich Binnebößel) – über die Rolle von Pay-by-Bank-Lösungen im Handel, moderiert von Ercan Kilic, dem Autoren dieses Beitrags.
Fest steht: Mit Instant Payments und Open Banking entsteht derzeit eine neue Zahlungsoption im digitalen Handel. Wie schnell sich Pay by Bank im Alltag von Händlern und Konsument:innen etablieren wird, hängt nun maßgeblich davon ab, wie gut es gelingt, Nutzerfreundlichkeit, Reichweite und Akzeptanz im Markt weiter auszubauen – und dabei Komplexität durch Klarheit zu ersetzen.
Payment Kongress 2026
Am 5. und 6. Mai 2026 findet der diesjährige EHI Payment Kongress im ehemaligen Deutschen Bundestag in Bonn statt, bei dem die Fachbranche wieder umfangreich über aktuelle Trends und Themen diskutiert. Zum Programm gehören mehrere Breakout Sessions, in denen in kleinerer Runde zu konkreten Themen diskutiert wird – u. a. eine von Ercan Kilic moderierte Session zum Thema Instant Payments am zweiten Veranstaltungstag. Weitere Informationen zum Programm und Tickets befinden sich auf der Website: www.ehi-paymentkongress.de.

