Dominik Hennen, Leiter Personal Banking der Deutschen Bank, sieht in Wero einen wichtigen Schritt in Richtung einer europäischen Bezahllandschaft. „Wir bieten unseren Kunden eine innovative Lösung, die private und E-Commerce- Zahlungen auch über Landesgrenzen hinweg ermöglicht,“ sagte Hennen bei der Vorstellung kurz vor dem Jahreswechsel und versprach dem Handel, Wero nahtlos als Zahlungsoption zu integrieren. Auch Commerzbank und Targobank zählen zum wachsenden Kreis der Banken, die den digitalen Bezahldienst in Kürze anbieten wollen. Kontoinhaber: innen der Sparkassen und Raiffeisenbanken können den Bezahldienst schon seit Längerem über ihre Banking- App nutzen.
Mit jeder Akquisition einer Großbank kommt Martina Weimert, CEO der European Payment Initiative (EPI), ihrem Ziel einer schnellen Marktdurchdringung näher. Die EPI, ein Zusammenschluss großer europäischer Banken und Zahlungsdienstleister mit Sitz in Brüssel, hat das Zahlungssystem Wero im Juli 2024 gestartet. Zunächst als digitale Bezahlvariante zwischen Privatpersonen, können seit Ende 2025 auch Händler den Zahldienst integrieren – aktuell in Deutschland und Belgien, bald auch in Frankreich und den Niederlanden. Stand März 2026 gehören 35 europäische Banken zum EPI-Verbund, darunter in Deutschland DZ Bank Group, DSGV, Deutsche Bank und ING Germany. Dazu kommen auf europäischer Ebene 13 Acquirer.
Voraussetzung für die Nutzung von Wero ist, dass die Hausbank den Bezahldienst unterstützt und in der Banking- App des Kunden freigeschaltet hat. Im Gegensatz zu einer normalen Online-Überweisung wird beim Account- to-Account-Verfahren keine IBAN und kein Name des Zahlungsempfängers benötigt. Wero unterstützt stattdessen E-Mailadressen, Mobilfunknummern oder QR-Codes. Per SEPA Instant Credit Transfer ist das Geld in wenigen Sekunden auf dem Empfängerkonto.
Je mehr Banken Wero standardmäßig in ihre Banking- Apps integrieren, umso mehr potenzielle Nutzer:innen hat der Bezahldienst. Ob sich Wero als Bezahlform im Handel durchsetzen kann, hängt entscheidend von der Akzeptanz der Händler ab. Daher ist es ein vorrangiges Ziel der EPI, die Händler für das neue Bezahlverfahren zu begeistern (s. Interview).
Wero ist der einzig realistische und zugleich schnellste Weg zu europäischer Payment-Souveränität.
Prof. Dr. Ulrich Reuter
Niedrige Händlergebühren
Die Händlergebühren für Wero sind nicht vollständig standardisiert, da Banken, Sparkassen und Zahlungsdienstleister eigene Verträge mit den Händlern abschließen. Die Höhe der Disagios dürfte sich übereinstimmenden Verlautbarungen zufolge bei 0,7 bis 0,8 Prozent bewegen. Damit lägen die Händlergebühren zwar über den Gebühren für die Girocard, aber unterhalb der Kosten gängiger Kredit- und Debitkarten. Im Gegensatz zu Karten-Schemes berechnet Wero kein Interbankenentgelt.
Eine moderate Preisstellung und effiziente Abwicklung sind gute Argumente, die Akzeptanz bei den Händlern zu beflügeln. Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürwortet Wero. „Wir unterstützen grundsätzlich die Bemühungen einiger europäischen Banken und Dienstleister, das neue Zahlungsverfahren Wero auf den Weg zu bringen,“ heißt es hierzu in einer Stellungnahme des HDE. Wero müsse Vertrauen im Handel aufbauen und sicherstellen, dass auch nach einer Startphase eine nachhaltige und kostenorientierte Abwicklung gewährleistet bleibt. Der HDE macht auch deutlich, dass die politischen Bemühungen zur Schaffung eines digitalen Euro damit nicht eingestellt werden dürfen.
Digitale Souveränität
Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Spannungen kommt Wero als rein europäische und länderübergreifende Bezahllösung zunehmend eine strategische Bedeutung für Wirtschaft und Finanzwesen in Europa zu. Eine funktionierende, rein europäische Payment-Alternative würde mehr Kontrolle über die Zahlungsinfrastruktur ermöglichen und die Abhängigkeit von US-amerikanischen und asiatischen Anbietern reduzieren. Diese Ansicht vertritt auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV): „Wero ist der einzig realistische und zugleich schnellste Weg zu europäischer Payment-Souveränität,“ sagte Verbandspräsident Prof. Dr. Ulrich Reuter anlässlich der DSGV-Bilanzpressekonferenz im März dieses Jahres. Seine Aussage kann als Seitenhieb auf den digitalen Euro gewertet werden. Während die digitale Zentralbankwährung noch in den Startlöchern verharrt, ist Wero bereits Realität.
Nach dem Start im E-Commerce soll Wero bald auch am stationären Checkout als Bezahloption verfügbar sein. Hier will der Bezahldienst vor allem den globalen Karten- Schemes Konkurrenz machen. Um zur universellen Zahlungslösung aufzusteigen, plant die EPI weitere Funktionen wie Cashback und Bonusprogramme aufzuschalten, die Verwaltung wiederkehrender Zahlungen (z. B. für Abonnements), Ratenzahlungen und die Integration von Händler- Treueprogrammen.
Initiierung über QR-Code
Fabian Mansfeld ist bei der European Payment Initiative (EPI) für die Akquisition von Händlern für das Bezahlsystem Wero zuständig.
Herr Mansfeld, wie viele Händler in Deutschland sind rund drei Monate nach dem Start mit Wero live gegangen?
Stand Anfang März 2026 stehen wir bei circa 300 Händlern und haben etwa 700 weitere in der Pipeline.
Welche großen Player sind dabei?
Wero ist eine Omnichannel-Lösung. Der E-Commerce ist der Startpunkt, auch weil die Integration hier für einige Händler deutlich einfacher ist als am POS. Aktuell bieten unter anderem die folgenden Marken bereits Zahlungen via Wero an: Eventim, Schalke 04 sowie der Hansa Park für den Ticketshop, aber auch DPD, Globus- Baumarkt, Vee Pee, der Fanshop des 1. FC Kaiserslautern und Tedox. Viele weitere große Händler haben angekündigt, mit Wero in diesem Jahr live zu gehen wie Decathlon, Lidl, Mediamarkt, Air France, Baur und Zooplus. Wir rechnen damit, dass einige in den nächsten Monaten starten werden.
Mit welchen Argumenten überzeugen Sie den Handel, Wero als Bezahlform anzubieten?
Wichtig ist, dass unser Einsatzspektrum den stationären Bereich mitumfasst. Mit Wero an der Kasse haben wir nochmal eine ganz andere Visualität. Ein weiteres Argument ist die Souveränität. Die Händler erkennen, dass die zunehmende Marktdominanz privater internationaler Zahlungssysteme zu stetig steigenden Transaktionskosten führt.
Wie lässt sich Wero kostenmäßig einordnen?
Wero ist für den Handel deutlich günstiger als die amerikanischen Systeme. Wir bieten den Kunden nicht nur P2P-Funktionen, sondern werden das volle Leistungsspektrum einer Debitkarte mit Use Cases wie wiederkehrenden Zahlungen, digitaler Identität oder der Integration von Händler-Treueprogrammen anbieten – und das zu einem günstigeren Preis.
Wie soll die Zahlung mit Wero am POS technologisch abgebildet werden?
Von der Kundenseite ist die Nutzung von Wero identisch wie im E-Commerce. Mit dem Scan eines QR- Codes wird eine Verbindung zwischen Zahlungsmittel des Kunden und dem Händler hergestellt. Wir setzen auf den QR-Code als Initiierungsmethode auch deshalb, weil sich Added-Values-Elemente wie Altersverifikation oder Loyalty leichter integrieren lassen als bei einer NFC-Verbindung. Das Thema NFC A2A bleibt natürlich in unserer Roadmap und wird mit einem ersten Piloten Mitte 2027 starten.
Welche Zielgröße streben Sie bei der Marktdurchdringung kurz- bis mittelfristig an?
Mein persönliches Ziel ist es, dass wir bis Ende dieses Jahres 50 Händler aus der Top-100-Liste des EHI oder Händler aus anderen Branchen mit vergleichbarem Umsatz bei Wero an Bord haben. Bis Ende 2029 möchten wir Wero bei 90 Prozent der Händler aus dem Ranking implementiert haben.
Welche Rolle spielen die Payment Service Provider bei der Verbreitung in der Aufbauphase von Wero?
Die Integration von Wero läuft im Wesentlichen über die Acquirer. Auf dieser Ebene wollen wir mindestens 70 bis 80 Prozent gemessen am deutschen Volumen dabei haben. Große Acquirer wie Payone, Nexi, Worldpay, Unzer, VR Payment, Nuvei, PPRO und Computop machen bei Wero bereits mit. Adyen, Stripe und Mollie werden in Kürze folgen.
