SB-Checkouts: Händler im Aufhol-Modus | stores+shops
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SB-Checkouts erhalten zunehmend Einzug in den Handel. (Foto: Diebold Nixdorf)

SB-Checkouts: Händler im Aufhol-Modus

Die schmalen Margen und die demzufolge limitierten Investitionsbudgets im Handel mit Fast Moving Consumer Goods (FMCG) sind mit ein Grund dafür, warum sich deutsche Retailer bislang zurückhielten bei der Einführung von SB-Checkouts. Doch mit der weiteren Verbreitung der Systeme wachsen auch das Interesse und die Investitionsbereitschaft.

Was sich rund um den Globus bei SB-Kassen abspielt, zeigt die jährliche „Global EPOS and Self-Checkout“-Studie des Londoner Marktforschungs- und Beratungsunternehmens RBR. Danach sind weltweit rund 250.000 Einheiten installiert. Für 2015 konstatierten die Marktbeobachter die Auslieferung von insgesamt knapp 29.000 Terminals – fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Bemerkenswert: Während die USA in der Vergangenheit jeweils die meisten Neuinstallationen aufwiesen, liegt Westeuropa im Jahr 2015 vorne. Hier wurden rund 10.500 neue Einheiten aufgebaut, in den USA waren es 400 Einheiten weniger (siehe Chart). In UK sind europaweit die meisten Systeme installiert. Trotz der britischen Lidl-Tochtergesellschaft, die im vergangenen Jahr viele Filialen mit SB-Terminals ausstattete, sank dort jedoch die Zahl der Neuauslieferungen um 20 Prozent. Dagegen investieren französische Hyper-Stores fleißig in SB-Technik – die Zahl der Neuinstallationen wuchs bei unserem Nachbarn um rund 30 Prozent.

Punktuelle Aktivitäten in Deutschland

Der deutsche Handel hielt sich vergleichsweise bedeckt. Von dem kleinen Schub, den hierzulande im Jahr 2010 die Einführung von SB-Terminals in den deutschen Märkten von Ikea brachte, blieb in den Folgejahren wenig übrig – es gab keine flächendeckenden Investitionen einzelner Händler, sondern nur punktuelle Aktivitäten, vorwiegend bei einigen selbständigen Rewe- und Edeka-Lebensmittelhändlern. Neben Ikea Deutschland ist die Metro-Tochter Real nach wie vor das einzige Handelsunternehmen, das mit rund 90 seiner 300 SB-Warenhäuser einen relevanten Teil der eigenen Filialen mit SB-Technik ausgestattet hat.

SB-Kassen in knapp 300 Märkten

Dabei würden deutsche Kunden die SCO-Terminals nicht weniger häufig nutzen als etwa Briten oder Franzosen. „Die Zurückhaltung hierzulande liegt eindeutig auf Händlerseite. Die knappen Margen hierzulande hindern die Unternehmen daran, in neue Technologien zu investieren, außerdem ist unser Markt stark von den Discountern geprägt, und für diesen Vertriebskanal gibt es noch keine überzeugende SCO Lösung“, erklärt Joachim Pinhammer, Senior Retail Technology Analyst beim Marktforscher Planet Retail.

Auslieferung von Self-Checkout-Systemen nach Regionen in 2015

Auslieferung von Self-Checkout-Systemen nach Regionen in 2015

Das EHI Retail Institute hat im vergangenen Jahr (Ergebnisse mit Stand August 2015) den deutschen Markt für SCO-Systeme detailliert analysiert. Danach waren 2015 in 295 Märkten rund 2.150 Selbstbediener-Kassen im Einsatz. Im klassischen Lebensmitteleinzelhandel gibt es knapp 150 Märkte, die typischerweise jeweils vier Self-Checkout-Kassen aufgebaut haben. Neben den Real-Verbrauchermärkten mit den meisten SCO-Installationen bieten die Unternehmen Famila-Nord sowie vorwiegend selbständige Einzelhändler der Unternehmensgruppen Edeka und Rewe diesen zusätzlichen Kundenservice an.

In den letztgenannten drei Gruppen sind jeweils 15 bis 26 Märkte mit SCO-Installationen zu finden. Hinzu kommen Anwendungen beim Cash & Carry-Betreiber Selgros, der seinen Großhandelskunden sowohl Self-Checkout-Kassen als auch mobiles Self-Scanning anbietet. Außerhalb des Lebensmittelsektors sind Selbstzahlerkassen fast ausschließlich bei Ikea und in den Baumarktfilialen des Unternehmens Bauhaus zu finden.

Barzahlung als Erfolgsfaktor

Der weitaus größte Teil der installierten SB-Systeme sind stationäre Terminals. Dort scannt der Kunde selbst jedes einzelne Produkt und verpackt es in bereitgestellte Tüten oder mitgebrachte Taschen. Weil Barzahlung nach wie vor von den meisten deutschen Verbrauchern präferiert wird, ist der Handel gezwungen, diesem Kundenwunsch auch an den SB-Kassen nachzukommen. Auf den Gesamtmarkt bezogen, können Kunden in 75 Prozent der Märkte mit Selbstzahlerkassen ihre Einkäufe auch in bar bezahlen. Sogar 98 Prozent der Lebensmittelhändler bieten SB-Kassen mit Barzahlungs-Modulen an – obwohl dieser Service mit hohen Zusatzkosten verbunden ist. Denn die Cash-Systeme erhöhen die Anschaffungsinvestition von SB-Kassen um rund ein Drittel. Hinzu kommt eine deutlich höhere Wartungsintensität als bei Kartenzahl-Modulen, weil Cash-Systeme in aller Regel störanfälliger sind.

Markterhebung Self-Checkout- und Self-Scanning-Systeme

Markterhebung Self-Checkout- und Self-Scanning-Systeme

Stationäre Terminals sind vorwiegend für kleinere Warenkörbe bis zu zehn Artikeln eine Alternative zur bedienten Kasse. Dagegen nutzen Kunden das mobile Selfscanning, bei dem die Ware direkt am Regal per Handheld oder Smartphone erfasst wird, auch für größere Einkäufe. Diese Lösungen sind jedoch in Deutschland noch wenig verbreitet. Zu den größten Anbietern gehört seit 2010 das Filialunternehmen Feneberg mit Self-Scanning-Systemen in derzeit 14 Märkten. Die meisten weiteren Installationen sind erst in den letzten zwei Jahren vorgenommen worden. Globus und Tegut bieten in jeweils drei Märkten diese optionale Möglichkeit an, außerdem die Edeka-Südwest in einem Regiemarkt und bei drei weiteren selbständigen Einzelhandelspartnern. Hinzu kommt noch eine Installation bei einem selbständigen Partner der Edeka Nordbayern. Typischerweise stehen in diesen Märkten jeweils rund 60 Handscanner für den Kundeneinsatz zur Verfügung.

Händler rechnen mit mehr Installationen

Die EHI-Analyse hat außerdem ergeben, dass die befragten Unternehmen mit der Funktionsfähigkeit der Technik und mit den Nutzungsraten, also der Akzeptanz der Verbraucher, sehr zufrieden sind. „Vor allem das Ziel der Reduzierung von Warteschlangen ist mit dem Einsatz von SCO in allen Unternehmen sehr erfolgreich umgesetzt worden“, sagt EHI-Projektleiterin Simone Sauerwein. Und: Fast alle befragten Händler rechnen mit einer fortschreitenden Verbreitung der Self-Checkout-Systeme in Deutschland. Für sich selbst planen zwei Drittel der Händler, die stationäre Systeme anbieten, diese Form der Selbstbedienung in weiteren ihrer Märkte zu installieren. Bei Händlern, die mobiles Self-Scanning bereits einsetzen, wollen sogar drei Viertel in den weiteren Ausbau dieser Systeme investieren.

Der europäische Markt ist anspruchsvoller

Auch bei den Technologie-Anbietern ist neuer Optimismus zu spüren. „Wir beobachten inzwischen ein deutlich höheres Interesse – man ist als Händler nicht mehr alleine, wenn man sich mit einer solchen Innovation auseinandersetzt“, sagt Stefan Clemens, Area Sales Leader Retail bei NCR. „Es fehlt nur noch ein großer Player, der flächendeckend diese Technologie einsetzt. Dann kommen andere in Zugzwang, ebenfalls Selfscanning-Lösungen einzuführen“, ergänzt Andreas Schöttner, Senior Account Manager Retail bei Zebra. Wobei den Herstellern bewusst ist, dass der europäische Markt anspruchsvoller ist und dass sie auch noch eigene Hausaufgaben zu erledigen haben. „Während der US-Händler eher Standard-Systeme in großer Zahl aufstellen lässt, gehen europäische und speziell deutsche Händler deutlich differenzierter und kundenorientierter vor – sie suchen nach modularen, individuell und für die jeweilige Filiale passenden Lösungen“, so der Vertreter eines Technologie-Anbieters.

Foto: Diebold Nixdorf
Grafiken (2): Global EPOS and Self-Checkout 2016 (RBR), EHI

Weitere Informationen: www.rbrlondon.com/retail

Neues rt special: Self-Checkout

Im Rahmen seiner „Self-Checkout Initative” hat das EHI Einzelhändler und Verbraucher zum Thema Self-Scanning befragt. Über die Ergebnisse der Marktanalysen informiert das neue rt-Special „Self-Checkout – Status Quo und Perspektiven.“ Die 48 Seite umfassende Sonderveröffentlichung stellt darüber hinaus Best Practice-Beispiele vor und bietet eine Marktübersicht über die  derzeit eingesetzten Systeme. Das neue rt special wird den EHI Fachmagazinen stores+shops (Erscheinungstermin 5. September) und der rt retail technology, Ausgabe vom am 26. September, beigelegt.

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