Die Untersuchung, für die 300 Führungskräfte aus den Bereichen Einzelhandelsmarketing und E-Commerce in den Benelux-Ländern, der DACH-Region, Skandinavien und Großbritannien befragt wurden, identifiziert die Dateninfrastruktur als zentralen Engpass. Fortgeschrittene Einzelhändler nutzen demnach fast doppelt so viele Datenquellen wie Wettbewerber in frühen Entwicklungsphasen – was sich unmittelbar auf die Qualität der KI-Ergebnisse auswirkt.

7,3 Mrd. Euro betroffen

Die wirtschaftliche Reichweite von KI im Handel ist auf folgendem Stand: Laut den Modellrechnungen der Studie werden bis 2030 rund 39 Prozent der Marketing- und E-Commerce-Budgets der Händler in der DACH-Region in Bereichen eingesetzt, die direkt von KI beeinflusst werden – das entspricht etwa 7,3 Mrd. Euro jährlich. Besonders stark betroffen sind datenintensive Bereiche wie Analytik, Customer Relationship Management und Kundenbindungsprogramme. Marken- und Kreativfunktionen sollen zwar weiterhin einen höheren Anteil menschlicher Arbeit erfordern, sind wirtschaftlich aber ebenfalls betroffen.

Bereiche wie Analytik, CRM und Kundenbindung zählen zu den am schnellsten KI-fähigen Bereichen

Bereiche wie Analytik, CRM und Kundenbindung zählen zu den am schnellsten KI-fähigen Bereichen
Foto: Voyado/RetailEconomics

Organisatorische Hürden

Der Bericht zeigt, dass weniger der Zugang zur Technologie das zentrale Hindernis darstellt, sondern unternehmenskulturelle Faktoren. Vier der fünf meistgenannten Hemmnisse sind organisatorischer Natur: Qualifikationsdefizite nennen 58 Prozent der Befragten als größtes Hindernis, gefolgt von internem Widerstand (57 Prozent), Datenschutz- und Rechtsbedenken (54 Prozent) sowie mangelndem Vertrauen in KI-gestützte Entscheidungen (53 Prozent). Herausforderungen bei der technischen Integration in bestehende Systeme stehen mit 49 Prozent erst an fünfter Stelle.

„Im Wettlauf um den Nachweis von KI-Fortschritten ist es leicht, sich auf das Sichtbare zu konzentrieren: neue Schnittstellen, Chatbots und Funktionen. Ohne die richtige Datengrundlage und den richtigen Kontext bleibt die Wirkung jedoch einfach aus. Der wahre Wert im Einzelhandel entsteht durch KI, die im Hintergrund arbeitet – indem sie die richtigen Kunden priorisiert, Entscheidungen optimiert und sicherstellt, dass im richtigen Moment das Richtige geschieht“, sagt Felix Kruth, Chief Product Officer bei Voyado.

Zwei Jahre bis zum Wendepunkt

71 Prozent der befragten Händler gehen davon aus, dass KI innerhalb von zwei Jahren ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer Marketingaktivitäten sein wird. 45 Prozent erwarten, dass sie im selben Zeitraum messbare wirtschaftliche Erträge generieren wird. Wer die notwendigen Daten- und Kompetenzgrundlagen jetzt nicht aufbaut, riskiert nach Einschätzung der Studienautoren, den Anschluss zu verlieren – da KI sich von einem Wettbewerbsvorteil zu einer Grundvoraussetzung entwickelt.

„Die nächsten zwei Jahre stellen einen Wendepunkt dar, da KI sich von einem Experiment zu einer Wettbewerbsnotwendigkeit wandelt. Einzelhändler befinden sich auf einer Reise. Während die meisten damit begonnen haben, KI zu testen und einzusetzen, haben nur wenige ein Stadium erreicht, in dem sie konsistente wirtschaftliche Erträge liefert“, sagt Richard Lim, CEO bei Retail Economics.

Zur Studie

Der Bericht „The State of AI in Retail“ basiert auf einer im Dezember 2025 von Retail Economics durchgeführten Primärstudie und stützt sich auf drei Methoden:

  • Umfrage: 300 Führungskräfte aus Einzelhandelsmarketing und E-Commerce in den Benelux-Ländern, der DACH-Region, Skandinavien und Großbritannien.
  • Wirtschaftsmodellierung: Kombination aus akademischen und offiziellen Datenquellen zur Erfassung von Beschäftigung, KI-Adoptionsgrad, Marketing- und E-Commerce-Budgets sowie Einzelhandelsumsatz.
  • Analyse der KI-Fähigkeiten: Nutzung von O*Net-Berufsbeschreibungen, um den Anteil der Aufgaben zu bewerten, die in Einzelhandelsmarketing und E-Commerce durch KI unterstützt werden könnten.