Otto: Von Recycling bis Mehrweg | stores+shops

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Otto: „Lass uns gemeinsam die Welt aufräumen"
Foto: Otto

Otto: Von Recycling bis Mehrweg

Immer mehr Menschen in Deutschland ordern immer mehr Waren im Internet. Die Folge: Das Verpackungsaufkommen im E-Commerce steigt. Der Versandhändler Otto arbeitet an vielfältigen Lösungen zur Abfallvermeidung, wie Nachhaltigkeitschef Benjamin Köhler berichtet. Aufgerissen, weggeschmissen – das soll ein Ende haben.

Wie viel Verpackungsmaterial nimmt jährlich seinen Ausgang bei Otto?

Laut eigenen Erhebungen sind es für die gesamte Otto Group weltweit ca. 26.000 Tonnen: 21.000 Tonnen Papier, Pappe und Karton und 5.000 Tonnen Kunststoff.

Jede Umverpackung hat Einfluss auf die Umwelt – wie minimieren sie diesen?

Wir setzen zunächst auf Reduzierung. So haben wir beispielsweise die Dicke der Kartonagen auf ein Minimum reduziert. Das gleiche gilt für Folienverpackungen, wobei dort der erste Zielkonflikt auftritt: Wenn recyceltes Material eingesetzt wird, was wir als zweiten Strategie-Pfeiler intensiv verfolgen, muss die Stärke etwas erhöht werden, denn die Strapazierfähigkeit eines Recyclingmaterials entspricht nicht zu 100 Prozent der von neuem Material. Ein weiterer Faktor ist die Senkung des Leervolumens in den Versandkartons. Wir liegen bei einem niedrigen zweistelligen Prozentsatz an Leervolumen, das ist im Branchenvergleich ein sehr guter Wert. Wir verzichten zudem seit Jahren auf Füllmaterial, es sei denn, dieses ist absolut notwendig, damit ein Artikel nicht beschädigt wird. Was wir über reduzieren und recyceln hinaus unternehmen: Wir unterstützen die Forschung nach Alternativen zu fossilen Kunststoffen und sind intensiv auf der Suche danach, was nach dem klassischen Kunststoff kommt. Was auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen Sinn macht, auch im Hinblick auf die geplante Plastiksteuer seitens der EU.

Sie arbeiten auch mit einem Ampel-System?

Ja, statt einer Ökobilanzierung haben wir die verschiedenen Arten von Verpackungsmaterialien mittels empirischer Daten und Experteneinschätzungen in Form eines Ampelsystems bewertet. Dafür haben wir uns unter anderem angeschaut, wieviel CO2 in der Produktion emittiert wird, welche Rohstoffe eingesetzt werden und ob das Material recyclingfähig ist. Papier und Pappe aus Frischfasern stufen wir beispielsweise bei Rot ein, die Pendants aus 100 Prozent Recyclingmaterial zwischen Gelb und Grün – ebenso Bio-Kunststoff, der auf Abfällen aus der Landwirtschaft basiert oder recycelter Kunststoff aus Ocean- oder Wild-Plastic. Wir haben ein Pilotprojekt mit dem Hamburger Start-up Wildplastic gestartet. Das Unternehmen sammelt in Ländern, in denen es keine funktionierenden Abfallsysteme gibt, Plastik aus der Umwelt. Das daraus generierte Recyclat hat bereits eine hohe Qualität. Wir setzen es zu mindestens 80 Prozent ein, ergänzt um Additive. Die beste Bewertung in unserem Ampelsystem haben übrigens – neben dem Verzicht – Mehrwegverpackungen.

Im August haben Sie ein Projekt zum Thema Mehrwegverpackungen gestartet. Können Sie schon etwas dazu sagen?

Es handelt sich um ein Forschungsvorhaben, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird und an dem neben uns auch Tchibo, Avocadostore und das Beratungsinstitut Ökopol beteiligt sind. Denn wir wollen keine Einzellösung mit der Folge, dass Konsumenten künftig 50 unterschiedliche Mehrwegverpackungen von 50 Händlern zu handeln haben. Daher gehen wir gemeinsam der Frage nach, wie wir Mehrweg praxistauglich gestalten können: Wie funktioniert die Logistik, wie funktionieren die Rücknahme, die Reinigung, die Wareneingliederung in den Kreislauf, und vor allem, wie reagiert der Kunde? Mehrweg funktioniert schließlich nur, wenn der Kunde mitmacht.

Wie ist die eingesetzte Mehrwegverpackung konkret beschaffen?

Wir haben uns für die Kunststofftüte „RePack“ entschieden, die sich besser packen und stapeln lässt als Boxen. Die Tüte ist aus gewebtem Polypropylen und sehr stabil. Sie hat einen Klettverschluss und ist dimensionierbar, das heißt, der Verschluss lässt sich wahlweise weiter oder enger regulieren. Wir nutzen die Tüte vornehmlich für den Versand von Textilien. 5.000 Tüten sind im Test.

Braucht man, um den Erfolg zu gewährleisten, ein Pfandsystem oder andere Anreize, und wie könnten diese aussehen?

Wir haben parallel zum Test eine ausführliche Kundenbefragung durchgeführt. Die Feedback-Quote war enorm. Sie lag deutlich über zehn Prozent, was in der Marktforschung viel ist. Das zeigt, dass den Konsumenten die Verpackung auffällt und Motivation da ist, mitzumachen. Dennoch glaube ich, dass wir einen Anreiz geben müssen, um eine ausreichend hohe Rückführquote zu erreichen. Ich sehe zwei Lösungen: ein geschickt in den E-Commerce-Prozess eingebundenes Pfandsystem oder Anreize in Form von Bonuspunkten beziehungsweise kleinen Warengutscheinen.

Welchen Aufwand, welche Kosten verursacht die Einführung einer Mehrwegverpackung?

Die Logistik ist mit Sicherheit der entscheidende Knackpunkt. Wie schaffen wir es, das Mehrwegsystem kostenattraktiv in die aktuelle Logistik zu integrieren? Die zweite Frage lautet, wie wir den Prozess in Richtung Kunde gestalten und die Sendung identifizieren, die mehrwegfähig ist. Eine Möglichkeit kann es sein, Kunden im Kaufprozess künftig eine Mehrwegverpackung optional anzubieten. Selbst hierfür ist der Aufwand etwa in unserer IT allerdings enrom.

Ab wie vielen Umläufen lohnt sich eine Mehrwegversandverpackung?

Wir gehen im Moment davon aus, dass die Verpackung, die wir verwenden, mindestens 20-mal im Umlauf sein sollte. Der ökologische Mehrwert ist aber schon vorher gegeben. Das Schöne ist, dass hier Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen. Je mehr Umläufe wir schaffen, desto wirtschaftlicher und desto nachhaltiger wird das System.

Das Interview führte Winfried Lambertz.

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