EHI-Session: Goodbye Einweg, hello Mehrweg? | stores+shops

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Die EU-Einwegkunststoff-Richtlinie verbietet ab Juli den Einsatz bestimmter Einwegkunststoffprodukte. Welche Alternativen gibt es?
Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.com

EHI-Session: Goodbye Einweg, hello Mehrweg?

Ab dem 3. Juli 2021 tritt die neue EU-Einwegkunststoff-Richtlinie in Kraft. Der Einsatz bestimmter Einwegkunststoffprodukte ist in den Mitgliedsstaaten dann nicht mehr erlaubt. Vor allem Handel und Gastronomie sind davon betroffen. Welche Veränderungen stehen bevor und welche Alternativen gibt es? Damit beschäftigten sich die Teilnehmenden der virtuellen EHI-Session „Nachhaltige Verpackungslösungen für Gastronomie und Lebensmittelhandel“ am 15. April.

„Insgesamt 18,86 Mio. Tonnen Verpackungsabfall fielen in Deutschland im Jahr 2018 an“, berichtete Sonia Grimminger vom Umweltbundesamt. Lassen sich Feinblech/Stahl, Aluminium, Glas und Papier zum Großteil durch Recycling zurückführen, ist dies bei Kunststoff nur zu knapp 50 Prozent der Fall. Mehr als 80 Prozent der Meeresabfälle bestehen aus Kunststoffen, etwa 50 Prozent davon sind Einwegkunststoffprodukte.

EU-Richtlinie und Novelle des deutschen Verpackungsgesetzes

Sonia Grimminger

Sonia Grimminger
Foto: EHI

Die neue EU-Richtlinie soll die Auswirkungen bestimmter Einwegkunststoffprodukte auf die Umwelt verringern. Grundsätzlich verboten ist demnach zukünftig das Inverkehrbringen – also jede erstmalige geschäftliche Abgabe eines Produkts zum Vertrieb, zum Verbrauch oder zur Verwendung auf dem Markt im Geltungsbereich der Verordnung – aller aus oxo-abbaubarem Kunststoff, Einweggetränkebecher und -behälter sowie Einweg-to-go-Lebensmittelbehältnisse aus expandiertem Polystyrol (EPS) einschließlich ihrer Deckel und Verschlüsse sowie Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff.

Die Novelle des deutschen Verpackungsgesetzes beinhaltet, dass Hygieneeinlagen (Binden), Tampons und Tamponapplikatoren, getränkte Tücher für Körper- und Haushaltspflege, Tabakprodukte mit Filtern sowie Filter zur Verwendung in Kombination mit Tabakprodukten und Getränkebecher eine von der EU-Kommission definierte Kennzeichnung tragen müssen.

Für Grimminger liegt die Zukunft in Mehrwegsystemen, da diese wiederverwendbar und langlebiger sind, dadurch weniger Abfall entsteht, effiziente Systeme weniger Ressourcen verbrauchen und durch Rücknahmesysteme weniger Littering zu erwarten sei. Umweltzeichen wie der Blaue Engel informieren über die Anforderungen an Mehrwegbehältnisse, das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt „Klimaschutz is(s)t Mehrweg“ unterstützt Betriebe bei der Einführung von Mehrwegsystemen und wiederverwendbaren Optionen. Hilfestellungen zu Hygienefragen bieten die Merkblätter des Lebensmittelverbands Deutschland.

Herausforderung Verpackung

Frederik Becker

Frederik Becker
Foto: EHI

Bei Eat Happy bestehen die Verpackungen seit vergangenem Jahr zu 100 Prozent aus recycelten Rohstoffen. Bis 2022 will der Anbieter von Asia Food & Sushi über einen Multichannel-Vertrieb seinen CO2-Fußabdruck halbieren und sowohl weniger Kunststoff in der gesamten Wertschöpfung als auch tierische Erzeugnisse einsetzen. Für 2025 lautet der Plan, klimaneutral zu sein. Ziel ist darüber hinaus eine nachhaltige Verpackung ohne Einwegkunststoff. Mögliche Lösungsansätze sieht Referent Frederik Becker zum einen in der Kreislaufoptimierung, Kartonschalen, nachwachsenden Rohstoffen und Mehrweg.

Alle Wege werfen Fragen auf: Wird ein eigener Kreislauf benötigt? Gibt es eine Kartonschale mit einer Barriere ohne veränderte Polymere? Können nachwachsende Rohstoffe wie Grasfaser gleichbleibende Qualität garantieren und sind diese wirklich nachhaltiger? Und wie hoch ist die Breakeven-Umschlagmenge bei Mehrwegverpackungen? Aktuell testet Eat Happy zunächst Mehrwegsysteme bei seinen Poke Bowls. Becker ergänzt: „Für Sushi gibt es noch keine perfekt geeigneten Mehrwegsysteme, wir sind aber mit einigen Anbietern im engen Austausch und stets in der Weiterentwicklung von neuen Möglichkeiten.“

Axel Gelhot

Axel Gelhot
Foto: EHI

Welche nachhaltigen Verpackungen gibt es bereits? Einen Überblick lieferte Axel Gelhot von der Duni Group: Bargasse, Karton, Holz, Graspapier, PLA und rPET zählen dazu. „Pflanzliche Rohstoffe haben das Potenzial, CO2-neutral zu sein.“ Vor allem Bagasse – Zuckerrohrfaser – gilt als sinnvolle Alternative zu Kunststoffen. Unbeschichtetes Papier, Karton und Graspapier sind besonders recyclingfähig, Bagasse und Graspapier ermöglichen den im Vergleich niedrigsten CO2-Fußabdruck. Gelhot sieht vor allem im recycelten PET einen zukunftsfähigen Rohstoff. In puncto Transparenz sind hier zwar lediglich Wasserflaschen erlaubt, jedoch ist rPET kreislauffähig. Seine Botschaft: „Es gibt keinen Plan B, wir müssen einfach beginnen.“

Welche Möglichkeiten Mehrwegsysteme bieten, stellten Dr. Tim Breker und Sven Witthöft von Vytal, Lisa Henze von Recup und Daniel Pfeffer von Faircup unter Beweis.

Alternative Mehrweg

Dr. Tim Breker

Dr. Tim Breker
Foto: EHI

Das von Vytal entwickelte digitale Mehrwegsystem zielt vor allem auf Bequemlichkeit ab. „Bereits ab zehn Befüllungen hat unsere Mehrwegverpackung eine positive Ökobilanz im Vergleich zu Einweggeschirr“, so Breker. Da Transportlogistik und Reinigung, Lebensdauer, Materialauswahl und Produktionsaufwand die ökologische und ökonomische Sinnhaftigkeit beeinflussen, sei Mehrweg nur bei Transportwegen von unter 200 km eine sinnvolle Alternative. Bei Pfandsystemen bestehe das Risiko, dass Konsument:innen die Systeme entweder aufgrund zu hohen Pfandbetrags nicht nutzen oder bei zu niedrigem Betrag nicht wieder zurückbringen, sagt Breker. Stattdessen setzt Vytal auf ein Leihsystem und ordnet jedem Verbraucher und jeder Mehrwegverpackung einen individuellen QR-Code zu.

Via App oder Mitgliedskarte leihen Nutzer:innen die Schale beim Kauf eines Produktes in der Gastronomie aus, sind innerhalb des Leihsystems jedoch verpflichtet, die Verpackung innerhalb von 14 Tagen wieder weiterzugeben. Beim Vytal-Partner gereinigt, gelangt die Mehrwegschale innerhalb von rund drei Tagen wieder in den Kreislauf. Arbeitgebern und Co-working-Spaces stehen Boxen zur Rückgabe zur Verfügung. Im LEH bietet das Unternehmen in ausgewählten Pilotfilialen bereits eigene smarte Ausgabe- und Rückgabestationen. Derzeit wird das System bei Rewe in Köln pilotiert und soll in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres in Serie gehen.

Pfandsysteme

Lisa Henze

Lisa Henze
Foto: EHI

Recup bietet im Gegensatz dazu ein Mehrwegsystem auf Pfandbasis. Nutzer:innen können die in Deutschland zu 100 Prozent aus recycelbarem Polypropylen hergestellten, mit dem Blauen Engel zertifizierten und platzsparend konzipierten Verpackungen nach Einsatz bei einem der Partner des Unternehmens wieder abgeben und erhalten ihren Pfandbetrag zurück. Aktuell entwickelt das Unternehmen eine App, die den Konsument:innen zukünftig eine digitale Pfanderstattung erlaubt. Partnerbetriebe können ihren Standort in Form eines Mietvertrags für eine bestimmte Laufzeit registrieren. Ihre Systemgebühren sind unabhängig von der bestellten Anzahl der Mehrwegverpackungen.

Ein Recup-Rücknahme-Automat kann ebenfalls gekauft oder gebührenpflichtig geliehen werden. Derzeit arbeitet das Unternehmen an weiteren Ausgabeautomaten sowie Automaten für die sogenannten Rebowls, so Lisa Henze. Da die Behältnisse aktuell von den Partnern gespült werden, entwickelt Recup derzeit eine externe Spüllogistik und testet diese bereits mit einem Fahrradkurier in Berlin.

Daniel Pfeffer

Daniel Pfeffer
Foto: EHI

Auch Faircup bietet in Deutschland zu 100 Prozent aus recycelbarem Polypropylen hergestellte, mit dem Blauen Engel zertifizierte Behältnisse für Getränke und Speisen als Pfandsystem mit Systemgebühr für den Partner. Der Unterschied: die Mehrwegverpackungen können an jedem Standard-Leergut-Automaten zurückgegeben werden, vorausgesetzt, dieser ist dafür freigeschaltet.

Wiegt der Kunde sein Produkt selbst, bestätigt er seine Auswahl an der vorhandenen Waage. In diesem Fall bleibt das Produkt bis zur Bezahlung mit dem Datamatrixcode des Faircup verbunden. Alternativ wird der Datamatrix des Faircup an der Kasse gewogen. Hierbei ist das Gewicht des Gebindes über den GTIN hinterlegt. Das Unternehmen verfügt über eine „Spülstraße“ in Göttingen, die Logistik erfolgt über einem großen nationalen Dienstleister. In Göttingen und Darmstadt bietet Faircup darüber hinaus regionale Abholmöglichkeiten, so Daniel Pfeffer.

Bleibt zu klären, ob sich und wenn ja, welche Synergien sich aus den verschiedenen Mehrwegsystemen ergeben.

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