Immer weniger Menschen wollen eine Ausbildung im Einzelhandel absolvieren. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Personal zu akquirieren, das den fachlichen Anforderungen der Branche gerecht wird. Automatisierte Prozesse und KI können Arbeitskräfte teilweise ersetzen, verändern aber auch Jobprofile und erfordern adäquat ausgebildetes Personal.
KI als Recruiter
Laut der aktuellen EHI-Studie Talents4Retail 2026 ist die quantitative Zahl der Bewerbungen auf offene Positionen deutlich gestiegen. Hier wird ein weiterer Anstieg erwartet. Die Anzahl qualitativ geeigneter Bewerbungen ist in Relation zur Gesamtmenge jedoch gesunken. Das liegt zum Teil daran, dass auch Jobsuchende moderne Technologien nutzen: sie versenden automatisiert eine sehr hohe Anzahl an Bewerbungen mit Standardanschreiben, ohne sich mit der ausgeschriebenen Stelle, den Anforderungen oder dem jeweiligen Unternehmen befasst zu haben. Der Aufwand, geeignete Kandidat:innen zu finden, ist damit größer geworden. Vermehrt übernehmen daher moderne Technologien die Vorselektion.
Künstliche Intelligenz (KI) wird zukünftig in allen Bereichen und Stufen des Recruitings eingesetzt werden, um Positionen passgenau besetzen zu können und Recruiting-Prozesse effizienter zu gestalten. Mit einer auf Skills basierenden, datengetriebenen Auswahl potenzieller Kandidat:innen wird die klassische CV‑Logik immer mehr verdrängt. Auch die traditionelle, auf Erfahrung basierende Personalplanung wird zunehmend mithilfe künstlicher Intelligenz durch proaktive, adaptive Personalsteuerung (Predictive Workforce Planning) ersetzt, um effizienter und resilienter in einer volatilen Umwelt agieren zu können.
Mental Health at Work
EHI-Webinar / Innovation Hour
Donnerstag, 25. Juni 2026 | 9:00 – 10:00 Uhr
Format: 60 Minuten, online & interaktiv
Mental Health als Gamechanger
Ein effizientes Recruiting ist nur eine Seite der Medaille, die andere ist der Fokus auf vorhandene Mitarbeitende. Ziel sollte sein, die Fluktuation gering zu halten und Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen Mitarbeitende ihr Potenzial nutzen können und wollen. KI ist dabei Fluch und Segen zugleich, denn die Entlastung auf der einen Seite beinhaltet eine Belastung auf der anderen. Nicht nur die rasante Geschwindigkeit mit zunehmender Komplexität kann sich auf die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden auswirken, auch ständige Veränderungsprozesse, unklare Rollen oder Unsicherheit sorgen nach einer aktuellen EHI-Umfrage (vollständige Ergebnisse am 25.6. verfügbar) für Stress. Beschäftigte auf der Fläche sind aufgrund von Multitasking, Schichtarbeit, Kundenansprüchen oder immer neuen digitalen Systemen besonders stark gefordert.
Die Fähigkeit von Mitarbeitenden, resilient auf die sich wandelnde Arbeitswelt zu reagieren, wird zu einem zentralen Erfolgskriterium für Einzelhändler. Mental gesunde Mitarbeitende sind leistungsfähiger, seltener krank und oft loyaler. Arbeitgeber tun gut daran, sich stärker mit dem Thema zu beschäftigen, als gesetzliche Vorgaben es verlangen. Prävention, frühzeitige Intervention und eine Kultur, die psychische Gesundheit enttabuisiert, sind ausschlaggebend, um langfristig Arbeitszufriedenheit und Leistung sicherzustellen. Auch dabei kann Technologie unterstützen.
Fact Sheet zum Thema Mental Health
Für viele Unternehmen sind psychische Belastungen von Mitarbeitenden im Arbeitsalltag kein Randthema mehr. Dieses Factsheet fasst die Ergebnisse einer Kurzbefragung von HR-Verantwortlichen des Handels. Es beschreibt den Status quo, zeigt, wie Belastungen entstehen und mit welchen Maßnahmen die Unternehmen gegensteuern können.

